Weihnachtsbaumkulturen werden eigens dafür angelegt, die Bäume zum Fest zu fällen. Es ist ein Erwerbszweig, wie Getreideanbau oder Obstplantagen. Wenn Sie es trotzdem schade finden, dass ein viele Jahre gewachsener und gehegter Baum abgeschnitten wird, überlegen Sie sich vielleicht, Ihren Weihnachtsbaum nach dem Fest auszupflanzen und ihn so weiterleben zu lassen. Das kann gelingen, wenn Sie einige Dinge beachten:
Ein Baum im Topf
Wahrscheinlich ist es sowieso klar, aber: Ein abgesägter Tannenbaum kann nicht wieder anwachsen. Deshalb brauchen Sie einen Baum im Topf. Der Handel bietet sie an, aber achten Sie auf die Unterschiede!
Ein „topfgedrückter“ Baum ist NICHT im Topf gewachsen, sondern im Feld ausgestochen und in den Topf hineingedrückt worden. Dabei wurde sein Wurzelwerk stark, meist sogar irreversibel zerstört. Solche Bäumchen erkennen Sie daran, dass sie häufig schief im Plastikgefäß stecken und ihre dicken Wurzelstümpfe den Kunststoff ausbeulen. Oft sind die Gefäße erdverschmiert und durch den bindigen Feldboden sehr schwer. Wenn Sie ein Bäumchen für den Balkon und für eine begrenzte Zeit suchen, kann dieses Produkt eine Alternative sein. Aber mit dem Auspflanzen werden Sie kein Glück haben.
Allerdings gibt es auch Weihnachtsbäumchen, die direkt im Kübel kultiviert werden. Ihr Wurzelballen ist intakt, keine Hauptwurzel ist durch das Topfloch in den Boden vorgedrungen. Bei dieser Qualität können Sie es wagen, das Bäumchen später auszupflanzen. Ein großer Vorteil ist, dass das Bäumchen prinzipiell frisch bleibt und nicht nadelt.

Der richtige Baum
Einen Spitzenplatz unter den Weihnachtsbäumen hat seit Jahren die Nordmanntanne. Leider ist sie für die Topfkultur weniger gut geeignet, denn sie hat eine Pfahlwurzel. Neuere Züchtungen verhelfen ihr nun dazu, sich in einem hohen Gefäß auch entwickeln zu können. Deshalb sieht man sie jetzt ebenfalls im Handel. Aber Sie haben mit den flachwurzelnden Fichten, mit Kiefern, Douglasien oder Thuja gute Alternativen, die im Topf etwas hermachen.
Wenn ich von „Bäumchen“ schreibe, dann soll das bedeuten, dass der zimmerhohe und dementsprechend alte Weihnachtsbaum schwerlich als Kübelpflanze zu bekommen ist und sich anschließend auch nicht willig auspflanzen ließe. Topfbäumchen sind auf Größen bis circa 1,20 Meter begrenzt. Platzieren Sie es auf einem Hocker oder Beistelltischchen mit weihnachtlicher Tischdecke und verpacken Sie seinen Topf dekorativ – vielleicht passt auch ein schöner Übertopf? – dann entfaltet selbst ein kleines Bäumchen Weihnachtszauber.

Sehr beliebt sind auch Zuckerhutfichten, die Sie von Tischgröße bis Hüfthöhe kaufen können. Wie der Name schon sagt, wachsen diese Bäumchen in idealer Form. Allerdings ist ihr Habitus dicht, so dass er sich nur außen herum schmücken lässt. Aber für eine Lichterkette, für Schleifchen und Minikugeln findet sich immer ein Plätzchen.
Für Tisch oder Sideboard sind auch alle anderen nadelartigen kleinen Topfbäumchen ideal. Sie können hinterher sogar in den Balkonkasten umziehen!
Für alle Bäumchen gilt: Gießen nicht vergessen! In der Wärme des Zimmers entwickeln die Topfbäumchen großen Durst.
Fürsorge von Anfang an
Wenn Sie Ihr Topfweihnachtsbäumchen wirklich auspflanzen möchten, sollten Sie es gleich von Anfang an pflegen: Stellen Sie es nicht an einen dunklen Standort und auf keinen Fall vor die Heizung. Trockene Luft ist Gift für einen Nadelbaum. Achten Sie darauf, dass der Ballen nicht austrocknet. Mit Rücksicht auf den Christschmuck, könnten Sie Ihr Bäumchen gelegentlich leicht mit Wasser besprühen. Am besten bleibt ein solcher Weihnachtsbaum im Topf nicht länger als zehn Tage im Zimmer. Aber auch dann darf er nicht einfach `raus ins Kalte: So wie Sie ihn an das warme Zimmer gewöhnt haben, muss er sich auch umgekehrt wieder an niedrige Temperaturen akklimatisieren. Er wurde ja auch seiner Winterruhe geweckt. Ein-zwei Tage in einem kühlen Zimmer, in der Garage oder im frostfreien Gartenhaus (beide am besten mit Fenster oder Lichtblenden) sind kurzzeitige Zwischenlager, bevor das Bäumchen an einer wind- und sonnengeschützten Stelle im Garten auf frostfreie Tage wartet. Dann erst dürfen Sie es auspflanzen. Prinzipiell machen einem Nadelbaum Kälte und Schnee nicht viel, aber da Ihr Topfweihnachtsbäumchen aus dem Zimmer kommt, sollten Sie es erst auspflanzen, wenn der große Frost vorbei ist und die Temperaturen stabil sind. In manchen Jahren ist es gerade um den Jahreswechsel so „warm“, dass das Auspflanzen quasi nahtlos an die Weihnachtsfeiertage erfolgen kann. Liegt hingegen dick Schnee, müssen Sie abwarten, bis der Boden frostfrei ist. Während der „Wartezeit“ sollten Sie gelegentlich prüfen, ob der Ballen noch feucht genug ist. Ein Ballentuch, Jutesack, Schattenleinen oder Vlies schützen das Astwerk besonders an rauen Wintertagen. Und mit einem Noppenfolienmantel um den Topf isolieren Sie den Ballen. Ein Platz im Gewächshaus schützt zwar vor Wind, birgt aber die Gefahr, an sonnigen Tagen schnell zu heiß und zu lichtintensiv zu werden. Bei dieser Zwischenlagerung müssten Sie also verstärkt Obacht geben.
Die passende Stelle
Um es vorsichtshalber klarzustellen: Auspflanzen dürfen Sie einen Weihnachtsbaum nur auf dem eigenen Grundstück. Handelt es sich um eines der Mini-Nadelbäumchen passt es bestimmt in den Balkonkasten – sofern dieser ausreichend breit und tief dimensioniert ist, damit der Ballen sich schön entwickeln kann. Die größeren Exemplare bekommen einen Platz im Garten. Bedenken Sie, dass Tanne, Fichte, Kiefer oder Douglasie schnell wachsen und groß werden können. Diese Baumarten brauchen also genügend Abstand zu Nachbars Gartenzaun und zum eigenen Haus. Überlegen Sie außerdem, wo Ihre Versorgungsleitungen verlaufen, damit das Wurzelwerk sie nicht bedrängt.
Neben dem zu erwartenden Platzanspruch des Baumes sollten Sie eine Stelle aussuchen, die nicht zu schattig oder feucht ist und genügend Sonnenschein und Licht bietet.
Aufmerksame Anfangspflege
Anders als bei Obstbäumen ist ein Pflanzschnitt nicht erforderlich. Nur abgestorbene oder beschädigte Äste sollten Sie entfernen. Wichtiger ist ein gutes Pflanzbett, denn das macht es Ihrem Bäumchen leichter, seine Wurzeln auszustrecken und sich zu versorgen. Dafür heben Sie ein Loch aus, das insgesamt mindestens doppelt so tief und viermal so groß ist wie das Bäumchen. Lockern Sie die Erde ringsum und versetzen Sie das Pflanzloch mit Kompost. Wenn Ihr Gartenboden schwer ist, verwenden Sie Sand oder spezielle Pflanzerde für Gehölze. Eine Düngezugabe ist nicht notwendig.
Heben Sie nun das Bäumchen vorsichtig aus seinem Topf. Vielleicht müssen Sie etwas gegen den Topf klopfen, damit sich der Wurzelballen löst. Oder den Topf aufschneiden. Ist der Ballen stark verwoben, lässt er sich eventuell mit einem schmalen stumpfen Stab auflockern. Lassen Sie es aber lieber, ehe Sie dabei zu viele Wurzeln abreißen.
Sind die Wurzeln locker, achten Sie beim Einsetzen in das Pflanzloch bitte darauf, sie nicht zu knicken, sondern möglichst so zu legen, dass sie sich gut ausbreiten können.
Trotz Lochgröße dürfen Sie das Bäumchen nur so tief einpflanzen, wie es im Topf stand, das ist bis zum Wurzelhals. Bedenken Sie dabei, dass sich die gelockerte Erde beim Andrücken und spätestens beim Angießen noch etwas senkt. Andrücken (nicht verdichten!) ist unbedingt erforderlich, um alle Lufteinschlüsse zu entfernen.
Anschließend schlämmen Sie das gesamte Pflanzloch kräftig ein, vorausgesetzt das Wasser kann versickern und es entsteht keine Staunässe. Gießen Sie die ersten Wochen weiterhin regelmäßig so, dass das Wasser in den Boden eindringt, ohne zu schlämmen. Das wirkt als Verdunstungsschutz, bis die ersten neuen Wurzeln gewachsen sind.
Gießen Sie auch in späteren Jahren noch, wenn es besonders trockene Perioden gibt.
Eine Düngung ist eigentlich nicht notwendig. Falls Ihr Nadelbaum jedoch schneller wachsen soll, können Sie ihm im Frühjahr einen speziellen Nadelbaumdünger verabreichen. Bittersalz tut ihm gut, damit kein Magnesiummangel auftritt, was besonders bei sandigen Böden oder bei zu hohem pH-Wert der Fall sein kann.
Mit einer Mulchschicht auf dem Boden oder einem Mulchvlies können Sie die Verdunstung eindämmen, müssen aber ab und an die Feuchtigkeit darunter kontrollieren.
Gerade ein Nadelbaum zeigt einen Schaden erst verspätet an, so dass Sie nicht direkt reagieren können, sondern frühzeitig vorsorgen müssen.
Und wenn es gut läuft, wächst Ihr Topfbäumchen bald zu einem stattlichen Baum heran, der den Garten kühlt, Schatten spendet und Windschutz bietet; der Sauerstoff produziert, Schadstoffe filtert und den Boden aktiviert und der für viele Lebewesen Heimat und Nahrung bereithält. Er macht Sie stolz, ihn groß gezogen zu haben, und Ihren Garten zu einem schöneren Ort.







