Rollrasen oder Rasenansaat? Zwei Wege zur Rasenfläche

Heike Georg auf Pixabay
(Foto: Heike Georg auf Pixabay)

Wer eine neue Rasenfläche anlegen möchte, steht vor der Frage: aussäen oder ausrollen? Beide Varianten funktionieren – entscheidend ist weniger die Methode als die Frage, wie schnell der Rasen nutzbar sein soll und wie viel Geduld man mitbringt.

Unterschiede auf einen Blick: Zeit, Kosten und Aufwand

Die klassische Aussaat ist flexibel und vergleichsweise kostengünstig. Allerdings erfordert sie Geduld: Bis eine belastbare Fläche entsteht, vergehen mehrere Wochen. Erste Halme zeigen sich schnell, eine geschlossene Grasnarbe entwickelt sich aber erst nach etwa einem Monat.

Rollrasen liefert sofort ein fertiges Bild – innerhalb eines Tages entsteht eine geschlossene Fläche. Was oft unterschätzt wird: Die Vorarbeit ist ähnlich aufwendig wie bei der Aussaat. Boden lockern, planieren und düngen ist in beiden Fällen notwendig. Der Unterschied liegt vor allem im Tempo.

(Foto: Büchner Fertigrasen-Kulturen) Rasen von der Rolle macht den Hausgarten schnell grün.
(Foto: Büchner Fertigrasen-Kulturen)
Rasen von der Rolle macht den Hausgarten schnell grün.

Rasen ansäen: Gleichmäßige Verteilung ist entscheidend

Damit eine gleichmäßige Rasenfläche entsteht, kommt es stark auf die Verteilung des Saatguts an. Typische Richtwerte liegen bei etwa 20–25 g/m². Streugeräte wie ein Granulatstreuer sorgen dafür, dass die Samen gleichmäßig ausgebracht werden – sonst entstehen dichte und lückige Stellen nebeneinander. Dasselbe gilt später für die Düngung: Auch sie sollte gleichmäßig ausgebracht werden, damit alle Gräser gleich gut versorgt sind.

Rollrasen: Vorurteile und was wirklich stimmt

Rollrasen wird oft kritisch gesehen – als besonders wasserintensiv oder ökologisch fragwürdig. Viele dieser Annahmen greifen jedoch zu kurz.

Braucht Rollrasen viel Wasser?

Wasser wird im Anbau nicht „verbraucht”, sondern bleibt im natürlichen Kreislauf. Auch ein gesäter Rasen benötigt im ersten Jahr vergleichbare Mengen.

Ist Rollrasen ökologisch problematisch?

Rasenflächen binden CO₂, produzieren Sauerstoff und kühlen ihre Umgebung. Ein aktives Bodenleben sorgt gleichzeitig für fruchtbare und stabile Böden.

Verdichtet Rollrasen den Boden?

Moderne Produktionsverfahren arbeiten bodenschonend. Ohne intaktes Bodenleben wäre die Produktion von Rollrasen gar nicht möglich.

Ist Rollrasen ein Luxusprodukt?

Rollrasen spart vor allem Zeit. Ein Teil der Arbeit wird vom Produzenten übernommen – das spiegelt sich im Preis wider. Dennoch gilt: Rollrasen ist kein Selbstläufer. Auch er muss anwachsen und gepflegt werden.

Die ersten Wochen entscheiden: Wässern und Betreten

Egal ob gesät oder ausgerollt – die Anfangsphase entscheidet über den Erfolg.

Nach der Aussaat muss das Saatgut durchgehend feucht gehalten werden. Mehrere kurze Wassergaben täglich über drei bis vier Wochen sind sinnvoll. Der Boden sollte gleichmäßig feucht, aber nicht nass sein, damit das Saatgut weder austrocknet noch weggespült wird. Gesäter Rasen sollte in dieser Zeit möglichst nicht betreten werden – bis sich nach etwa einem Monat eine geschlossene Narbe gebildet hat.

Beim Rollrasen gilt: Anschließend die Fläche für zwei bis drei Wochen konstant feucht halten, bis der Rasen angewachsen ist. Vorsichtiges Betreten ist nach dem Verlegen möglich, allerdings mit Bedacht.

Rasenpflege: Kein Unterschied nach der Anwachsphase

Nach der Anwachsphase gleichen sich beide Varianten schnell an. Die Qualität des Rasens hängt weniger davon ab, ob er gesät oder ausgerollt wurde – entscheidend ist die Pflege danach. (Lesen Sie hier unseren ausführlichen Beitrag zur Rasenpflege!) Sie ist in beiden Fällen identisch:

  • Wässern: Etwa einmal pro Woche mit 10–20 l/m², durchdringend und gleichmäßig, angepasst an Witterung und Boden.
  • Düngen: Zwei- bis dreimal jährlich. Stickstoff, Phosphor und Kalium sind die wichtigsten Nährstoffe für eine dichte und widerstandsfähige Grasnarbe.
  • Mähen: Im Hausgarten liegt die ideale Grashöhe bei etwa 4–5 cm. Pro Mähgang sollte nie mehr als ein Drittel der Halmlänge entfernt werden.

Rollrasen oder Aussaat: Eine Frage der Prioritäten

Rollrasen oder Rasenansaat ist keine Frage von richtig oder falsch – sondern von Prioritäten:

  • Möchte man eine schnell nutzbare Fläche – oder kann man einige Wochen warten?
  • Ist man bereit, höhere Anfangskosten zu investieren – oder eher Eigenleistung?
  • Möchte man sofort ein Ergebnis sehen – oder dem Rasen beim Wachsen zusehen?

Ist das geklärt, führen beide Wege zu einer funktionierenden Rasenfläche – vorausgesetzt, die Anfangsphase wird ernst genommen und die Pflege danach nicht vernachlässigt.

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Über Susanne Wannags

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Susanne Wannags ist seit 2000 Fachjournalistin mit Schwerpunkt Garten- und Landschaftsbau. Nach drei Jahren als Chefredakteurin der GaLaBau-Fachzeitung “campos” machte sie sich 2005 mit einem Redaktionsbüro selbständig und schreibt seither als freie Redakteurin für namhafte grüne Fachzeitschriften in Deutschland und der Schweiz. Am liebsten bringt sie komplexe Themen lesbar auf den Punkt.

Von Pflanzenschutz bis Naturstein, von Werkzeug bis Weiterbildung – die Themen der Sozioökonomin und Journalistin sind so umfangreich wie ihr Leistungsspektrum. Als Fotografin rückt sie die Arbeit der Landschaftsgärtner ins richtige Licht, als Buchautorin hat sie ein Buch über „Zen-Gärten“ geschrieben, das beim Verlag Gräfe und Unzer erschienen ist. Sie unterstützt Firmen mit Pressemitteilungen, schreibt Texte für Newsletter, Blogs und Webseiten und gibt seit 2010 gemeinsam mit einem Grafiker die Kundenzeitschrift „GartenVisionen“ für Landschaftsgärtner heraus.

www.4c-textprojekte.de
www.die-gartenvisionen.de

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