
Unsere Sommerblumen dürfen immer ganz lange im Balkonkasten stehen bleiben, denn wenn das Wetter mitspielt, sind sie noch bis weit in den Oktober schön anzuschauen. Neben der gärtnerischen Kunst, wuchsfreudige Pflanzen heranzuziehen, liegt es zum großen Teil an der Erde, wie prächtig sich Geranie und Co. weiterentwickeln. Praktisch sind vorgedüngte Substrate, weil sie für ausreichend Energie während der Saison sorgen. Die Blumenerde soll locker und strukturstabil sein, darf nicht zusammensacken oder verdichten, weil dann zu wenig Sauerstoff an die Wurzeln gelangt. Genauso wichtig wie die Luftdurchlässigkeit ist die Fähigkeit, genügend Wasser speichern zu können.
Torf hat viele Vorteile
Lange Zeit haben wir auf Substratmischungen mit Torf gesetzt: Sie waren leichter als die Mischungen aus Gartenerde, Tiermist und Blatterde, die wir noch von den Großeltern kannten. Torfhaltige Gartenerde punktet durch gleichbleibende Qualität mit hoher Wasserspeicherkraft und guter Luftkapazität. Der niedrige pH-Wert und der geringe Nährstoffgehalt von Torf werden schon bei der Mischung des Substrates gezielt an die Bedürfnisse der Zielpflanzen angepasst. Zudem ist Torf nicht nur leichtgewichtig, sondern auch frei von Schadstoffen, Unkrautsamen und Krankheitserregern.
Wie pflege ich meine Lieblinge in torffreier Erde?
Eine Erde ohne Torf kann meist nicht so viel Wasser speichern. Vor allem Kokosprodukte lassen die Erde oberflächlich schneller abtrocknen. Wenn wir wässern, sickert es schneller bis zum Gefäßboden durch. Deshalb sollten wir zunächst eine Fingerprobe machen. Generell gießen wir torffreie Erde lieber etwas häufiger in kleineren Gaben, so dass keine Staunässe auftritt.
Ist es eine Erde mit viel Kompost, gießen wir noch vorsichtiger, damit sie nicht vernässt.
Auf jeden Fall achten wir darauf, alle Neupflanzungen anfangs gut einzuwässern.
Wer eine smarte Bewässerungsanlage besitzt, kann die Tröpfchen in Menge und Häufigkeit besonders fein dosieren.
Enthält die Erde viele Holzbestandteile, ist sie sowieso zusätzlich mit Dünger angereichert.
Ist ein Tongranulat beigemischt, profitieren unsere Pflanzen von stabiler Struktur und guter Speicherfähigkeit.
Beste Eigenschaften weisen Grüngut- und Bioabfallkomposte auf, die wir beim Kompostierwerk gleich hier um die Ecke in reichlicher Menge und zertifiziert kaufen können. Im Übrigen würden Erdmischungen mit gütegesichertem Kompost für unser Gärtnerglück vollkommen genügen, ohne dass der „torffrei“-Hype andere, noch unbekannte und neue Probleme aufwirft.
Wo bekomme ich torffreie Erde?
Mittlerweile ist es kein Problem mehr, torfreduzierte und torffreie Erde zu kaufen. Baumärkte, Gartenfachmärkte, Gärtnereien und sogar die Discounter bieten sie an. Die meisten Erdenhersteller haben sie im Sortiment, einige führen bereits jahrelang nur torffreie Erde.
Dennoch ist es wichtig, auf die Bezeichnung auf dem Erdsack zu achten, denn „bio“ oder auch „torfreduziert“ ist eben etwas anderes als „torffrei“. Wie bei herkömmlicher Erde auch, ist auf dem Sack vermerkt, welcher Dünger enthalten ist, wie viel und wie schnell er wirkt.
Ein gutes Gefühl geben uns Siegel wie ein RAL-Zeichen (schadstofffrei) oder das HortiCert-Logo (klimafreundlicher und sozialverträglicher Ersatzstoff).
Wenn wir nicht den ganzen Sack Erde gebrauchen, können wir ihn lagern wie gehabt: trocken, kühl, verschlossen.
Seit einiger Zeit gibt es eine Reihe von Bodenverbesserungs- und Düngemitteln mit Pflanzenkohle. Die Karbonisierung entsteht unter Sauerstoffentzug bei hohen Temperaturen. Sie speichert den Kohlenstoff der organischen Masse. Es lassen sich viele biologische Reststoffe, wie Strauchschnitt, Holz aus Rodungen, Weinstöcke, Weihnachtsbaumstämme oder auch nachwachsende Rohstoffe wie Chinaschilf, Hanffasern oder Maisspindeln verkohlen. Der Zuschlagstoff verbessert die Fruchtbarkeit und die Qualität einer Erde, denn er hat eine große innere Oberfläche, um Nährstoffe besser zu speichern und mehr Wasser aufzunehmen. Bei Kalkzugabe baut sich ein strukturstabiler Humuskomplex auf. Generell sollen Pflanzenkohle-Produkte die Widerstandsfähigkeit von Boden und Pflanze gegenüber ungünstigen Witterungsbedingungen erhöhen. Es gibt sie vom Kleinstbeutel für den Balkonkasten bis zum Großgebinde. Allerdings sind sie derzeit noch etwas kostspielig.

Wissenswertes zu Mooren und Torfabbau
Moore, unsere Kohlenstoffspeicher
Welche Folgen der Torfabbau für uns und unsere Umwelt hat, ist erst allmählich erkannt worden. Torf besteht aus abgestorbenen Pflanzenteilen, die sich in wassergesättigter Umgebung – und damit ohne Sauerstoff – nur unvollständig zersetzen können. Die organische Substanz enthält Kohlenstoff, der im nassen Zustand des Bodens gespeichert wird. Unter dem Druck nachfolgender Pflanzenteile schichteten sich die konservierten Reste bei uns im Laufe von 10.000 Jahren und mehr zu Moorflächen auf. Moore sind laut Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe die mächtigsten Kohlenstoffspeicher unserer Erde. Sie bedecken immerhin noch drei Prozent der Landmasse und binden mehr als doppelt so viel Kohlenstoff wie alle unsere Wälder.
Beim Abbau wird der Torf entwässert – und der Kohlenstoff tritt in Form von Kohlendioxid aus! Es heißt – so das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Niedersachsen (LBEG) – der weitaus größte Teil entweiche aber erst im Laufe eines Jahrzehntes aus der fertigen Gartenerde.
Die Krux ist, dass das austretende Treibhausgas unsere Erde erwärmt, und dass ein Wiedervernässen abgetorfter Flächen in ausreichender Fülle nicht innerhalb unserer Lebenszeit möglich ist.
Langzeitproblem Erderwärmung
Dieser Effekt ist so immens, weil der Bedarf an Torf riesengroß ist. Er wird überwiegend in Gartenbau, Landwirtschaft und Landschaftsbau verwendet, aber auch als Brennstoff sowie in kleinen Mengen in der Heilkunde, in der Chemie und zur Whiskeyherstellung genutzt. Auf einer Fahrt durch das Emsland, Ostfriesland und die Lüneburger Heide haben wir oft die großen Flächen mit industriellem Torfabbau gesehen. Auch in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sowie in Bayern gibt es Moorflächen – und Torfabbau. Wer im Baltikum Urlaub macht, kommt wahrscheinlich auch an einer der kilometerlangen Abbauflächen vorbei. Osteuropa, Finnland und Schweden sowie Irland sind bzw. waren ebenfalls am lukrativen Torfgeschäft beteiligt. Es ist die schiere Größe der Abbauflächen und die Torfmenge, die die Klimaerwärmung vorantreiben.
Verlorene Lebensräume
Ein Drama, dessen Folgen wir noch gar nicht in seiner ganzen Tragweite absehen können, ist der Verlust an Arten: Der großflächige Torfabbau zerstört den Lebensraum von Pflanzen und Tieren.
Wie ging es weiter?
Erste kritische Stimmen wurden bereits in den 1980er Jahren laut. Aber es fehlte uns an Alternativen. Torfreduzierte Substrate wiesen nicht die gleiche Qualität auf. Zwar wurden bereits Tonmineralien für die Wasserspeicherung sowie Perlite und Blähton für die Durchlässigkeit genutzt, aber es fehlte an organischen Ersatzstoffen. Zudem konnten die Erwerbsgärtner ihre Kulturen nicht mehr wie gewohnt führen. Folglich hatten auch wir Hobbygärtner Schwierigkeiten mit der Pflege.
Mittlerweile hat sich einiges getan. Handelsfähige Torfersatzstoffe sind Holzfasern, Kompost oder Kokosmark oder Kokosfasern, Rindenhumus, Pinienrinde, Lavagranulat oder Grünkompost. Vielfach sind es Reststoffe aus einem Verarbeitungsverfahren, eine Zweitverwertung ist somit ideal.
Damit wir Erden mit ihnen bedenkenlos verwenden können, wurden zahlreiche Verfahren und Prüfszenarien entwickelt. Erst nach einer gründlichen Untersuchung auf ihren Schadstoffgehalt werden sie als Zuschlagstoffe freigegeben. Beispielsweise sind nur Grünkomposte mit RAL-Kennzeichen frei von Mikroorganismen, Unkrautsamen oder Krankheitserregern.
Aber es gibt auch andere Gründe, die gegen einen Alternativstoff sprechen können: So haben viele Kokosprodukte lange Transportwege, und manche Palmenplantage steht hinsichtlich sozialer und ökologischer Produktionsbedingungen zweifelhaft da.
Auch bei Bioerden sollten wir genauer hinsehen: Viele enthalten Torf, teilweise in Mengen bis zu 80 Prozent.
Alles in allem ist der Anteil an torfreduzierten oder gar torffreien Erden stetig gewachsen. Wir können inzwischen sogar Spezialerden ohne Torf kaufen, beispielsweise für unsere Kräuter oder unser Gemüse. Die Erwerbsgärtner haben neue Kulturverfahren erprobt, die die veränderten physikalischen und chemischen Eigenschaften der neuen Substrate berücksichtigen. Und auch wir wissen jetzt, damit umzugehen, denn es gibt zahlreiche Informationen und Hilfestellungen.
Aufklärung und Freiwilligkeit
Mit ihrem Klimaschutzabkommen haben sich die europäischen Länder verpflichtet, dem menschengemachten Klimawandel gegenzusteuern. Eine der deutschen Maßnahmen ist die Torfminderungsstrategie vom Juli 2022. Danach sollen wir Hobbygärtner bis 2026 völlig ohne Erden mit Torf auskommen und der Erwerbsgartenbau weitgehendst bis 2030. Über alle möglichen Kanäle wird Aufklärung betrieben, die unser Empfinden für die Bedeutung von torffreiem Gärtnern schärfen soll. Bewusst wird auf Freiwilligkeit gesetzt. Im Frühjahr dieses Jahres lief deutschlandweit die Aktionswoche „Torffrei gärtnern“ mit Infos und Mitmachaktionen. Die Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fand breite Unterstützung bei Umwelt- und Naturschutzorganisationen, aber auch bei Verbänden und Unternehmen.






