Welcher Engerling ist das?

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Wer beim Topfen seiner Balkonpflanzen oder beim Umgraben des Komposts auf dicke weisse Larven stösst, denkt sofort: ein böser Engerling! Aber nicht jede weisse Larve, die zwischen Wurzelwerk lebt, ist schädlich. Zwar sehen sie einander ähnlich, doch kleine Indizien helfen, die Engerlinge von Rosenkäfer, Maikäfer, Gartenlaubkäfer und Junikäfer zu unterscheiden.

Im Frühjahr trieb der Bauernjasmin, der im kühlen, aber hellen Hausflur überwintert hat, noch kräftig aus. Jetzt produziert er fast keine Blätter mehr, sieht schlapp und unglücklich aus. Was ist passiert? Wer den Pflanzballen aus dem Topf nimmt, erlebt sein weisses Wunder: 10, vielleicht sogar 20 fette weisse Larven haben es sich im Wurzelwerk gemütlich gemacht. Einmal schütteln, und schon purzeln sie auf den Boden. Mit wem haben wir es zu tun?

Unbeliebter Maikäfer
«Engerling» ein Überbegriff für alle Larven der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeoidea) und damit für die Larven von etwa 28.000 Käferarten weltweit. Hierzulande am bekanntesten sind die Larven von Rosenkäfer, Maikäfer, Gartenlaubkäfer und Junikäfer. Als berüchtigte Pflanzenschädlinge haben die Maikäferlarven – sie unterscheiden sich zusätzlich in Feld- und Waldmaikäfer – ein schlechtes Renommee. In den 1950er und 1960er Jahren galten sie als «Landplage», die mit DDT bekämpft wurde. Als Folge wurden die Käfer in den 1970 Jahren so selten, dass man sie kaum noch zu Gesicht bekam. Mittlerweile haben sich die Bestände regional wieder erholt – gleichermassen zur Freude und zum Schrecken vieler Menschen.

Der nützliche Rosenkäfer
Ihre positiv besetzten Gegenspieler sind die Rosenkäfer, deren Engerlinge meist im Kompost, aber auch in Gefässen, Töpfen oder Balkonkisten hausen. Sie ernähren sich von totem organischem Material. Wer im Bauernjasmin-Kübel Rosenkäferlarven findet, darf ihnen das Kränkeln der Pflanze also nicht in die Schuhe schieben. Die Ursache liegt woanders. Oft ist es ein übertriebenes Giessregime, das dafür sorgt, dass die Wurzeln bedingt durch Staunässe absterben. In solch einem feucht-modrigen Milieu finden die Larven ideale Lebensbedingungen vor.

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Maikäfer Larve, (c)Joachim K. Löckener – Eigenes Werk, CC BY 3.0

 

Wie unterscheidet man sie?
Die einfachste Art, Gut von Böse zu unterscheiden, sind die Grösse und die Art der Fortbewegung der Larven. Maikäfer-Engerlinge sind etwa 2.5 bis 3.5 cm gross, diejenigen des Junikäfers mit 2.0 bis 3.5 cm etwas kleiner. Mai- und Junikäferlarven, die farblich auch ins Gelbliche gehen können, sind vorne und hinten etwa gleich dick. Sie haben – verglichen mit dem Rosenkäfer – drei relativ kräftige, lange Beinpaare mit deutlich sichtbaren Gelenk-Knicken. Am Kopf besitzen sich leicht erkennbare Beisswerkzeuge. Auf einer glatten Oberfläche bewegen sich Maikäuferlarven seitlich gekrümmt fort, die des Junikäfers in Bauchlage. Da sie durch ihren Wurzelfrass Schäden am Rasen sowie an Nutz- und Zierpflanzen verursachen, sind weder die einen, noch die anderen im Garten gerne gesehen.

Mit bis zu 1.5 cm Grösse sind die Engerlinge des Gartenlaubkäfers deutlich kleiner. Auf einer glatten Oberfläche bewegen sie sich in Bauchlage fort. Auch er knabbert gerne am Wurzelwerk von Rasen- und Wiesenpflanzen.

Die Larve des Rosenkäfers ist etwa 2.5 bis 3.5 cm gross, hat einen vergleichsweise breiten, gekrümmten Körper, der vorne etwas schlanker ist als hinten, und kleine Stummelbeinchen. Deutlich sichtbare Mandibeln besitzt er nicht. Wird die Larve auf eine glatte Unterlage gelegt, streckt sie sich und robbt auf dem Rücken davon.

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© Von Isabelle Diana – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0                     Die Larven des Maikäfers (oben im Bild) haben einen grossen Kopf, lange Beine und ein eher dünnes Abdomen-Ende. Umgekehrt haben Rosenkäfer-Larven (unten im Bild) einen kleinen Kopf, kurze Beine und ein grosses Abdomen-Ende. Auch ihre Farbe ist unterschiedlich.

 

Bekämpfungsstrategien – falls nötig
Auch wenn Mai- und Junikäfer, aber auch der Gartenlaubkäfer zu den unbeliebteren Garten-Mitbewohnern zählen: Im natürlichen Lebensraum-Kreislauf haben sie eine wichtige Funktion. Bei Vögeln, Igeln und Spitzmäusen sind sie als Nahrung sehr beliebt. Doch nehmen sie Überhand, kann eine Bekämpfung vonnöten sein. Die Bestände der Mai- und Junikäfer-Larven lassen sich biologisch mit parasitischen Pilzen unter Kontrolle halten, die als Granulat in den Boden eingesät bzw. eingearbeitet werden. Auch für die Bekämpfung des Gartenlaubkäfers gibt es parasitäre Pilze; hier können jedoch auch Produkte mit Nematoden verwendet werden, die auch gegen den Dickmaulrüssler ihren Einsatz finden. Ausgebracht werden sie am besten mit dem AquaNemix von Birchmeier. Um herauszufinden, ob der Gartenlaubkäfer im Garten überhaupt aktiv ist, kann man seinen Bestand mit einer Gartenlaubkäferfalle überprüfen.

Das Ausbringen von Nematoden mit dem AquaNemix ist ganz einfach:

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Geschützt!
Der Rosenkäfer wieder ernährt sich von abgestorbenem Pflanzenmaterial und gilt als Nützling. Ihn zu bekämpfen ist daher nicht nötig. Werden die Tiere im Pflanzgefäss entdeckt, kann man morsche Holzstücke (etwa 3 cm gross) in die Erde einarbeiten. Die stehen auf der Speiseliste der Rosenkäferlarven ganz oben und lassen sie gleich vergessen, dass sie ja auch an Pflanzenwurzeln knabbern könnten. Engerlinge im Kompost sind fast immer die Larven des Rosenkäfers. Wer sie beim Umgraben entdeckt, sollte sie einsammeln und nach getaner Arbeit wieder im Kompost ablegen. Nicht nur, weil es Nützlinge sind.

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Der metallisch-grün schillernden Rosenkäfer gilt in Deutschland teils als „vom Aussterben bedroht“ oder zumindest als stark gefährdet. Auf der roten Liste der gefährdeten Arten der Schweiz gelten Rosenkäfer als schützenswert.

In diesem Video werden die Käfer nochmals filmisch vorgestellt.

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Über Judith Supper

IMG_9165_HPJudith Supper ist Fachjournalistin, Texterin und Mitinhaberin des Medienbüros Brizamedia, das seit seiner Gründung 2015 einen umfassenden Medienservice für die grüne Branche bietet. Seit bald zehn Jahren ist Judith Supper für Fachmedien im In- wie Ausland tätig, darunter auch die bedeutendsten Fachzeitschriften des deutschsprachigen Raums. 2011 ging sie mit „Pflegeleichte Gärten gestalten“ (Christian Verlag) unter die Buchautoren und war von 2011 bis 2014 als leitende Redaktorin für g’plus (Herausgegeben von JardinSuisse, Unternehmerverband Gärtner Schweiz) beschäftigt. Egal ob eine Reportage über Pflanzenzucht im Weltall, ein Messebericht von der Chelsea Flower Show oder Portrait eines Floristik-Unternehmens, ihr Anliegen ist es, komplexe Inhalte leserfreundlich aufarbeiten, dabei aber niemals die fachlichen Sachverhalte aus den Augen zu verlieren.

Ihre Haupt-Interessensgebiete liegen in den Bereichen:

  • Umwelt- und Naturschutz
  • Gartenpraxis: Zier-, Nutz- und Naschgarten
  • Nachhaltigkeit und Biodiversität
  • Gartenkultur

www.brizamedia.ch

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