Sprechstunde beim Rasendoktor

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Jeder will sattgrünen Rasen. Klar. Und mit der richtigen Pflege ist das auch absolut keine Hexerei. Aber gelegentlich plagt den Rasen doch das ein oder andere Wehwechen. Wenn er etwa von Unkräutern überfallen wird oder braune Stellen bekommt, muss der Rasendoktor ran.

Lästige Unkräuter
Naja,ein paar Unkräuter im Rasen kann man ja noch hinnehmen und Gänseblümchen sehen darin sogar schön aus. Aber Löwenzahn hat im Rasen nun wirklich nichts zu suchen. Denn einmal zur bei Kindern beliebten “Pusteblume” gereift, macht er sich überall im Rasen breit und schreckt auch vor den Beeten nebenan nicht zurück. Blosses Abmähen interessiert die Pflanzen kein bisschen, sie treiben aus ihren langen Pfahlwurzeln einfach neu aus.

Schöne Blüten hat er ja – wenn nur nicht dieser Ausbreitungsdrang vom Löwenzahn wäre!
Schöne Blüten hat er ja – wenn nur nicht dieser Ausbreitungsdrang vom Löwenzahn wäre!

 

Sie müssen das Übel an der Wurzel packen und den Löwenzahn tief ausstechen. Klingt nach Knochenarbeit? Nein! Es gibt Unkrautstecher mit langem Stiel, bei denen müssen Sie nicht mal in die Knie gehen. Wenn es nicht um zu viel Löwenzahn handelt, ist die Handarbeit auch gut zu schaffen.

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Schön, aber auch lästig: Klee ist ganz schön wüchsig und nimmt dem Rasen das Licht.

 

Auch wenn seine vierblättrige Variante angeblich Glück bringt – Klee ist im Rasen halt auch lästig, er verdrängt das Gras und man tritt beim Barfusslaufen schon mal auf Bienen, die an den Kleeblüten hängen. Sie werden Klee aber recht einfach los – durch Düngen. Klee liebt genau wie Moos ungedüngten Rasen und scheucht die Gräser dort einfach weg. Am besten streuen Sie im Frühjahr Langzeitdünger, dann ist der Rasen bis zum Herbst versorgt. Gleichmässig und schnell funktioniert das mit dem Granomax. Langzeitdünger macht den Rasen stark und Klee und auch andere Unkräuter werden nach und nach verdrängt. Der Dünger ist jetzt natürlich keine Kopfschmerzpille gegen Unkraut und auch keine einmalige Sache. Der Prozess zieht sich über Monate hin und Sie müssen dann auch regelmässig nachdüngen. Sonst kommt das Unkraut wieder.

Ganz wichtig, mähen Sie den Rasen generell nicht zu tief. Stehen die Halme dicht an dicht, reagieren Unkräuter beleidigt und auch anfliegende Unkrautsamen finden keinen Platz zum Keimen.

Unkrautmittel – wenn Klee & Co in Massenproduktion gehen
Wo Unkräuter massenhaft auftreten, extrem hartnäckig sind oder wenn die mechanische Bekämpfung ganz einfach zu lästig ist, helfen spezielle Rasenherbizide. Der Clou: Die chemischen Mittel können zwischen Gut und Böse unterscheiden und gehen nur auf die zweikeimblättrigen Pflanzen los – also auf die Unkräuter. Die einkeimblättrigen Gräser bleiben verschont. Das heisst allerdings auch, dass Quecken von den Mitteln nicht gross beeindruckt sind. Die Mittel werden entweder gespritzt oder gegossen, wobei Spritzen viel einfacher ist und weniger Mittel verbraucht.

 

Wärme und trockenes Wetter sind ideal für die Behandlung mit Rasenherbizid.
Wärme und trockenes Wetter sind ideal für die Behandlung mit Rasenherbizid.

 

Rasenherbizid spritzen – so geht’s
Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Behandlung sind (Nacht-) Temperaturen über 10 Grad. Darunter ist es den Pflanzen zu kalt und die Mittel werden nicht bis in die Wurzelspitze transportiert und wirken nicht. Geeignet sind gängige Gartenspritzen wie die Garden Star 5.

Nach gut 10 Tagen sieht man das Ergebnis: Die Unkräuter werden gelb und vertrocknen schliesslich. Das Gras wächst einfach weiter.
Nach gut 10 Tagen sieht man das Ergebnis: Die Unkräuter werden gelb und vertrocknen schliesslich. Das Gras wächst einfach weiter.
  1. Mähen Sie den Rasen und warten dann noch vier bis fünf Tage lang mit der Behandlung. In dieser Zeit schliessen sich die Schnittwunden an den Halmen.
  2. Zum Spritzen muss der Rasen trocken sein. Anschliessend sollte es möglichst acht Stunden lang nicht regnen.
  3. Los geht’s. Um optimale Wirkung zu erreichen, unbedingt die exakte Dosierung beachten. Ausreichender Spritzdruck erzeugt einen feinen Sprühnebel. Bei Bedarf nachpumpen. Gehen Sie langsam rückwärts, damit Sie nicht auf die frisch behandelte Fläche treten.
  4. Nicht bei Wind spritzen, die Abdrift kann Pflanzen in angrenzenden Beeten schädigen. Oder einen Sprühschirm verwenden. Dieser verhindert die Abdrift.
  5. Die Fläche bis zum Abtrocknen nicht betreten. Danach dürfen auch Kinder und Haustiere wieder auf den Rasen. Grasfresser ausgenommen. Es ist normal, wenn die Wirkung des Mittels erst nach etwa 10 Tagen sichtbar wird.
So geht nichts daneben: Der große Einfülltrichter der Gardenstar 5 erleichtert die Arbeit.
So geht nichts daneben: Der grosse Einfülltrichter der Gardenstar 5 erleichtert die Arbeit.

 

Achtung, Spritzen mit Herbiziden besonders gut reinigen. In der Spritze vergessene Spritzmittel können Nachfolgekulturen schädigen.

Der Buhmann im Rasen
Moose sind urtümliche, einfach gestrickte Pflanzen, die es schon vor Tausenden Jahren gab. Und wer so lange überlebt, der ist robust und anpassungsfähig und verdrängt Gräser mühelos. Rasenmoos tobt sich mit Vorliebe in wenig gepflegtem Rasen aus, so dass es mit einer Packung Rasendünger mit Moosvernichter nicht getan ist. Die wirken nur kurzfristig und machen den Boden durch ihre Eisenverbindungen zudem saurer – man sät sich also gewissermassen bereits das neue Moos aus. Von den möglichen Rostflecken auf Wegen und Terrassen mal ganz abgesehen.

Moos liebt verdichteten und damit nassen Rasen, der kaum gedüngt ist, einen niedrigen pH-Wert hat und oft aus schlechten Rasenmischungen (Berliner Tiergarten & Co) besteht und im Schatten liegen. Wird dann noch regelmässig zu tief gemäht, hat das Moos gewonnen. Als Sofortmassnahme können Sie spezielle Moosvernichter (ohne Eisen) spritzen. Langfristig gilt das dasselbe wie beim Unkraut: Regelmässig Düngen – am besten organisch, nicht zu tief mähen und bei Bedarf kalken, also nach einem Bodenschnelltest.

Schimmelnder Rasen
Schneeschimmel, Rasenrost oder Rotspitzigkeit – Pilzkrankheiten machen auch vor dem Rasen nicht Halt, sind aber zum Glück nicht so lästig wie bei anderen Pflanzen. Eine völlige Verwüstung des Rasens ist nicht zu befürchten. Die Pilze sind oftmals nur ein optischer Makel und lassen sich mit Auflockerung der betroffenen Stellen und gezieltem Düngen wieder vertreiben.

Moos ist eine Zeigerpflanze für Stickstoffmangel und fühlt sich auf ungedüngtem Rasen pudelwohl. Nährstoffgaben lösen das Problem. Bei regelmässiger Anwendung sogar in der Regel dauerhaft.
Moos ist eine Zeigerpflanze für Stickstoffmangel und fühlt sich auf ungedüngtem Rasen pudelwohl. Nährstoffgaben lösen das Problem. Bei regelmässiger Anwendung sogar in der Regel dauerhaft.

 

Graue oder braune Flecken im Rasen und silbrig glänzende Halme: Sogenannter Schneeschimmel macht sich schon unter dem Schnee breit und wird daher meist gar nicht wahrgenommen. Im Frühjahr sieht der Rasen dann fleckig aus, der Pilz wächst sich aber mit den steigenden Temperaturen wieder aus.

Verwöhnen Sie den Rasen vorbeugend mit einem kaliumbetonten Herbstrasendünger und lassen ihn mit nicht zu langen Halmen in die Winterruhe gehen. Diese biegen sich sonst unter der Schneelast um, bekommen kaum Sauerstoff und können faulen. Bei Frost sollten Sie den Rasen möglichst nicht betreten, die Halme knicken dabei leicht ab.

Ringe aus Hutpilzen, sogenannte Hexenringe, sehen nicht nur hässlich aus, sie können den Rasen dauerhaft schädigen und an befallenen Stellen austrocknen, da das Pilzgeflecht im Boden Wasser abweisend ist. Einzelne Hutpilze im Rasen sind dagegen kein Grund zur Sorge. Verzichten Sie aufs Mulchmähen und wässern lieber seltener, dafür aber ausgiebiger.

Hexenringe entstehen gerne auf gestresstem Rasen mit verfilzter Narbe. Das Pilzgeflecht ist Wasser abweisend und der Rasen kann trocken werden. Chemische Mittel sind gegen die Hexenringe nicht erlaubt, Sie können die betroffenen Stellen bei geringem Befall ausstechen und neue Erde einfüllen. Die Oberfläche bedecken Sie mit Blumenerde, die Sie gleich mit Rasensamen vermischen. Grossflächigen Hexenringen rücken Sie mit einer Grabegabel und viel Wasser zu Leibe: Stechen Sie die Zinken an möglichst viel Stellen in den Boden und heben die Grasnarbe an, wodurch das Pilzgeflecht zerreisst. Wässern Sie den Boden anschliessend und halten ihn zwei Wochen lang patschnass.

Sogenannte Rotspitzigkeit kann bei unterernährten Halmen auftreten. Die Pilze lieben Temperaturen zwischen 15 und 20 °C und hohe Luftfeuchte. Betroffene Flächen sind unregelmässig trocken und die Halme haben rote, faden- bis geweihförmige Gebilde an den Spitzen. Nach einer Rasendüngergabe erholt sich der Rasen wieder.

Lieber vorbeugen als Heilen
Die regelmässige Rasenpflege ist mehr als eine Beauty-Kur, denn mit einer dichten Grasnarbe kann sich Rasen besser gegen Unkräuter und Krankheiten behaupten.

Rasen ist ein Schluckspecht. Der Regner sollte bei trockener Witterung ein bis zwei Mal die Woche laufen – aber ausgiebig. Kleine Schlückchen reichen nicht.
Rasen ist ein Schluckspecht. Der Regner sollte bei trockener Witterung ein bis zwei Mal die Woche laufen – aber ausgiebig. Kleine Schlückchen reichen nicht.

 

Auch wenn er nicht so aussieht, der Rasen ist im Sommer Schluckspecht Nummer eins! Zeit zum Giessen wird es, wenn sich die Halme nach dem Betreten nicht nach 15 Minuten wieder aufrichten und der Fussabdruck sichtbar bleibt.
Verwöhnen Sie den Rasen nicht ständig mit kleinen Schlückchen, die nur ein paar Zentimeter in den Boden eindringen. So hat der Rasen überhaupt keine Meinung, seine Wurzeln tiefer in den Boden zu schicken und macht bei Trockenheit erst recht schlapp. Geben Sie ihm lieber seltener, dafür aber ordentlich zu trinken, sodass der Boden 15 cm tief gesättigt wird. Merken Sie sich, wie lange Ihr Regner dafür braucht und stechen Sie dafür einmalig mit dem Spaten ein Stück Boden aus. Der Rasen hat genug, wenn der dunkle und damit feuchte Erdhorizont in gut 15 cm Tiefe liegt.

 

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Über Thomas Hess

hess-ganzThomas Heß arbeitet seit über 15 Jahren als freier Redakteur und Fotograf für Garten-, Natur- und Wohnthemen für diverse Magazine, Buchverlage und Fachfirmen.
Wächst nicht, gibt’s nicht! Denn als Journalist, gelernter Gärtner und Gartenbauingenieur treffen Fachkompetenz und Erfahrung auf die Freude am Gärtnern, am Handwerken und am Experimentieren. Ob Schläuche als Pflanztopf oder alte Flaschen als Windlicht – oft sind es ganz einfache, unkonventionelle Lösungen und Ideen, die dem Hobbygärtner die Arbeit erleichtern oder die Gärten verschönern.
Lieblingsthemen sind alles rund um die Gartenpraxis, Gartentechnik, Gartenteich und natürlich die Fotos dazu, die direkt in der Praxis entstehen. Da darf dann schon mal ein Fleckchen auf der Hose oder Erde an den Fingern sein!

2 Kommentare zu “Sprechstunde beim Rasendoktor

  1. Hallo:Ich habe einen wunderschönen Rasen ,schön dicht und satt grün.Ein Problem habe ich trotzdem mit rotem Klee ,der sich stellenweise breit macht.Ich wäre Ihnen sehr dankbar wenn sie mir einen Tipp geben könnten, was ich dagegen machen könnte. Mit freundlichen Grüßen Beuth

    1. Rasenunkräuter lassen sich oft durch Düngen beseitigen und nicht zu tiefes Mähen bekämpfen – starke Gräser können sich besser durchsetzen und eine Schnitthöhe von 4,5 cm sorgt dafür, dass die Gräser dicht an dicht wachsen und den Unkräutern keinen Platz lassen.
      Klee hat eine Besonderheit: Er ist nicht großartig auf Nährstoffe aus dem Boden angewiesen und wächst daher auch auf gar nicht oder kaum gedüngtem Rasen. An seinen Wurzeln siedeln spezielle Bakterien, die Stickstoff aus der Luft angeln können und dem Klee weitergeben.
      Das dauert einige Wochen und man muss den Rasen vor allem regelmäßig 3x im Jahr düngen.
      Geht es einem nicht schnell genug, kann man Kleereste auch mit einem Rasenherbizid los werden. Nur nicht mit normalen Herbiziden, die gehen auf alles Grüne los und machen auch den Rasen platt.

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