Schnecken natürlich in Schach halten

(Foto: Roggendorf)
(Foto: Roggendorf)

Nach längeren Trockenperioden scheinen unsere Beete oft wie von Schnecken befreit. Doch wo bleiben die gefräßigen Nacktschnecken, die zarte Triebe, frisches Grün und saftige Früchte so lieben? Meist halten sie sich dann gut verborgen. Unter Blumentöpfen, kühlen Steinen oder an feuchten Stellen im Garten finden sie die Bedingungen, die sie bevorzugen: Schatten, Kühle und ausreichend Feuchtigkeit. Solange diese fehlen, bleiben die unerwünschten Gäste weitgehend unsichtbar.

Nicht jede Schnecke ist ein Schädling

Schnecken sind ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems. Sie zählen zu den ältesten und anpassungsfähigsten Tiergruppen der Erde. Sowohl die Tiere selbst als auch ihre Eier dienen zahlreichen Gartenbewohnern wie Vögeln, Mäusen, Kröten, Käfern und anderen Insekten als eiweißreiche Nahrung.

Einige Schneckenarten sind sogar ausgesprochen nützlich. Sie ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Humusbildung und zum natürlichen Nährstoffkreislauf. Manche Arten vertilgen sogar die Eier anderer Nacktschnecken und helfen so dabei, deren Bestand zu begrenzen.

Keine Sorgen bereiten uns die meisten Gehäuseschnecken, die man häufig an Mauern, Hauswänden oder Zaunpfosten entdeckt. Dazu gehören beispielsweise die Garten-Bänderschnecke und die Weinbergschnecke. Auch Schnegel-Arten gelten als nützlich. Sie ernähren sich bevorzugt von abgestorbenem Pflanzenmaterial, Mulm, Pilzmycel, Moosen und Algen. Gelegentlich stehen sogar Aas oder Schneckengelege auf ihrem Speiseplan.

Die eigentlichen Übeltäter im Garten

Problematisch sind vor allem einige Arten von Nacktschnecken, die besonders im Gemüsebeet erhebliche Schäden verursachen können. Sie fressen Saatgut, Keimlinge, Stängel, Triebe, Blätter, Blüten und Früchte an und hinterlassen dabei charakteristische Fraßspuren, Schleim und Kot.

Zu den häufigsten Schädlingen zählen die Gartenwegschnecke, die Rote Wegschnecke und die Gemeine Wegschnecke. Da sie sich häufig im Boden aufhalten, machen sie auch vor Wurzeln und Knollen nicht halt.

Die Genetzte Ackerschnecke ist ein ausgeprägter Allesfresser, während sich die Spanische Wegschnecke bevorzugt von saftigen Pflanzenteilen, aber auch von Aas ernährt.

Die Färbung ist zwar kein verlässliches Bestimmungsmerkmal, aber viele der nützlichen Arten sind auffällig gefärbt oder grau-schwarz gemustert. Die weniger beliebten Arten zeigen dagegen häufig orangefarbene, braune, graue oder schwärzliche Farbtöne.

Warum Schnecken plötzlich überall sind

Die unerwünschten Gartenbewohner vermehren sich erstaunlich schnell und können innerhalb kurzer Zeit große Populationen bilden. Als Zwitter sind sie rasch geschlechtsreif und legen zahlreiche Gelege mit milchig-transparenten Eiern im Boden ab. Stimmen Temperatur und Feuchtigkeit, schlüpfen innerhalb kurzer Zeit die Jungschnecken.

Viele Arten können mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen. Zudem überstehen Eier, Jungtiere und teilweise auch erwachsene Schnecken den Winter im Boden.

Die Spanische Wegschnecke durchläuft zwar nur einen Fortpflanzungszyklus, legt jedoch bis zu 500 Eier ab. In ihrem einjährigen Leben ist sie äußerst gefräßig. Ihr zäher, bitter schmeckender Schleim macht sie für viele Fressfeinde unattraktiv. Außerdem verträgt sie Wärme und Trockenheit besser als viele andere Arten.

Bei Trockenheit oder Kälte ziehen sich zahlreiche Schnecken tief in den Boden zurück. Dort fahren sie ihre Körperfunktionen stark herunter und können monatelang überdauern, bis sich die Bedingungen wieder verbessern.

Nach ergiebigen Regenfällen scheinen Schnecken regelrecht aus dem Boden zu quellen und sich zu einer regelrechten Invasion zu entwickeln. Besonders nach milden Wintern und feuchten Frühjahren steigen die Bestände oft stark an.

Dabei sind die vermeintlich langsamen Tiere erstaunlich mobil. Innerhalb einer Nacht können sie beträchtliche Strecken zurücklegen und schnell neue Beete erreichen.

Da eine ausgewachsene Schnecke problemlos einen halben Salat pro Nacht fressen kann, entstehen erhebliche Schäden. Zusätzlich begünstigen die Fraßstellen Infektionen durch Pilze und Bakterien.

Hinzu kommt, dass unsere Gärten heute sehr ordentlich gestaltet sind. Dadurch fehlen oft natürliche Rückzugsorte für Fressfeinde, die Schneckenbestände regulieren könnten.

Den Lebensraum für Schnecken unattraktiv machen

Der Befallsdruck lässt sich deutlich senken, wenn wir Schnecken die Lebensbedingungen erschweren. Oft sind es viele kleine Maßnahmen, die in ihrer Summe große Wirkung zeigen.

Bereits die Bodenbearbeitung im Frühjahr sowie die sogenannte Winterscholle zerstören einen Teil der Eigelege und reduzieren die Population.

Auch regelmäßig kurz gemähte Rasenflächen erschweren es den Tieren, unbemerkt in Gemüsebeete vorzudringen.

Die richtige Mulchschicht als Schneckenbremse

Schnecken bewegen sich mithilfe von Muskelbewegungen und einer Schleimschicht fort. Selbst scharfkantige Oberflächen stellen für sie daher oft kein unüberwindbares Hindernis dar. Allerdings kostet die Fortbewegung auf unebenem Untergrund deutlich mehr Energie.

Eine geeignete Mulchschicht kann daher helfen, Beete zu schützen. Entscheidend sind Material und Schichtstärke.

Grober Rindenmulch eignet sich nur bedingt, da er zahlreiche Hohlräume und Verstecke bietet. Besser sind trockene, strukturreiche Materialien. Besonders bewährt hat sich unbehandelte Schafwolle. Sie dient gleichzeitig als Mulch, Langzeitdünger und Feuchtigkeitsspeicher und unterdrückt zudem Unkraut.
Optimal ist eine drei bis fünf Zentimeter dicke Schicht mit etwas Abstand zum Pflanzenhals. Nach starken Regenfällen sollten wir sie kontrollieren und gegebenenfalls ergänzen.

Mit der richtigen Bewässerung vorbeugen

Schnecken lieben feuchte Böden und nutzen bevorzugt die kühleren Morgen- und Abendstunden zur Nahrungssuche.

Deshalb empfiehlt es sich, in den Sommermonaten möglichst morgens zu gießen und das Wasser gezielt an die Pflanzen zu bringen. So kann die Bodenoberfläche bis zum Abend weitgehend abtrocknen.

Auch Kräutersude aus Brennnessel, Knoblauch oder Zwiebeln können vorübergehend eine abschreckende Wirkung entfalten.

Wenn Schnecken nicht weiterkommen

Schnecken meiden Oberflächen, die ihren Schleimfilm stören oder austrocknen.

Scharfkantige Materialien wie Sand, Splitt, Kies, Lavagranulat oder Muschelschalen können den Tieren das Vorankommen erschweren. Eierschalen zeigen dagegen meist nur eine begrenzte Wirkung.

Asche, Kalk, Gesteinsmehl oder trockenes Sägemehl entziehen dem Schleim Feuchtigkeit. Auch Schafwolle, Wollfasern, Fichtennadeln und Zapfen können als Mulch oder Beetumrandung hilfreich sein.

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Zum Ausbringen pulvriger Materialien wie Gesteinsmehlen ist der Pulverzerstäuber Bobby eine gute Hilfe. Dank seines großen Blasebalgs lässt sich damit ein feiner Belag auftragen

 

Besonders wirksam sind Schneckenzäune und Pflanzenkragen mit glatter Oberfläche und nach außen gebogener Kante. Solche Barrieren sollten mindestens zehn Zentimeter hoch und etwa fünf Zentimeter tief im Boden verankert sein. Wichtig ist,dass wir dabei auf lückenlose Übergänge achten und mögliche Kletterhilfen entfernen.

Die Wirkung von Kupferbarrieren wird unterschiedlich bewertet. Während manche Gärtner gute Erfahrungen machen, zeigen Untersuchungen keine durchgehend zuverlässige Schutzwirkung. Ursache dafür können Verschmutzungen, Feuchtigkeit oder Pflanzenreste sein, die die Barriere überbrücken.
Deutlich zuverlässiger arbeiten elektrische Schneckenzäune mit Kupferelektroden und Niedervoltspannung. Berührt eine Schnecke beide Leiter gleichzeitig, erhält sie einen unangenehmen Reiz und zieht sich zurück, ohne verletzt zu werden.

Gerüche, die Schnecken meiden

Schnecken reagieren empfindlich auf intensive Düfte, ätherische Öle und bestimmte Bitterstoffe.

Als natürliche Barriere wird häufig Zimt empfohlen. Für größere Beete sind allerdings erhebliche Mengen erforderlich.

Auch trockener Kaffeesatz kann abschreckend wirken. Wichtig ist, ihn nur dünn auszubringen, da dicke oder feuchte Schichten ihre Wirkung verlieren.

Wer aromatische Gartenpflanzen wie Wermut, Kamille, Bohnenkraut, Minze oder Wurmfarn besitzt, kann deren Triebe zwischen gefährdete Kulturen legen. Solche natürlichen Barrieren müssen jedoch regelmäßig erneuert werden, um ihre Wirkung zu erhalten.

Lavendel, Rosmarin, Salbei, Melisse und Thymian eignen sich gut als Begleitpflanzen im Gemüsebeet. Für Beetränder bieten sich Knoblauch, Schnittlauch oder Zierlauch an.

Auch Pflanzen mit Bitterstoffen oder Alkaloiden, darunter Mohnarten, Akeleien oder verschiedene Nachtschattengewächse, gelten als weniger attraktiv für Schnecken. Ein zuverlässiger Schutz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, denn Schnecken verachten beispielsweise Jungpflanzen von Tomaten oder Kartoffeln keineswegs.

Schnecken gezielt anlocken und absammeln

Salat und Tagetes gehören zu den Lieblingsspeisen vieler Nacktschnecken. Als so genannte Opferpflanzen können sie dabei helfen, die Tiere gezielt anzulocken. Wir müssen die Schnecken jedoch regelmäßig absammeln, sonst ziehen sie weiter!

Ebenso können wir Bretter, Dachziegel oder Steine als gezielte Verstecke auslegen. Dort sammeln sich die Tiere tagsüber, die sich dann leicht entfernen lassen.

Bierfallen oder eingeweichte Haferflocken sind dagegen meist kontraproduktiv, da sie weitere Schnecken aus der Umgebung anlocken und auch Nützlinge beeinträchtigen können.

Auf Salz sollte grundsätzlich verzichtet werden. Es tötet Schnecken qualvoll, schädigt den Boden und ist als Pflanzenschutzmaßnahme nicht zulässig.

Natürliche Helfer gegen die Schneckenplage

Ein naturnah gestalteter Garten lockt nicht nur Schnecken an, sondern auch ihre natürlichen Feinde.
Mit Laubhaufen, Kompost, Hecken, Wasserstellen, Totholz oder Steinhaufen bieten wir Lebensräume für Vögel, Spitzmäuse, Kröten, Blindschleichen und Laufkäfer. Sie alle tragen dazu bei, Schneckenpopulationen zu begrenzen.
Auch Gehäuseschnecken und Schnegel profitieren von einem solchen Garten und helfen indirekt bei der Regulierung schädlicher Arten.

Gelegentlich werden sogar Indische Laufenten zur Schneckenbekämpfung eingesetzt. Allerdings sollte dabei stets bedacht werden, dass die Haltung oder Ausleihe von Tieren mit Verantwortung verbunden ist und nicht allein dem Zweck der Schädlingsbekämpfung dienen sollte.

Biologische Unterstützung aus dem Boden

Eine weitere Möglichkeit bieten spezielle Nematoden. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer werden mit Wasser ausgebracht und können bestimmte Schneckenarten biologisch bekämpfen.
Voraussetzung sind ausreichend feuchte Böden und Temperaturen von mindestens 12 °C. Die Nematodenart Phasmarhabditis hermaphrodita wirkt über ein von ihr übertragenes Bakterium gegen bestimmte Nacktschneckenarten.
Da die Nematoden nur geeignete Wirte befallen, verschwinden sie wieder, sobald keine entsprechenden Schnecken mehr vorhanden sind.

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Tipp: Verwenden Sie zum Ausbringen der Nematoden den AquaNemix. So haben Sie sofort die richtige Dosierung und Sie brauchen keine schweren Gießkannen zu schleppen. Am Gerät stellen Sie anschließend auf Klarwasser um, um die Nematoden einzuregnen.

 

Warum Hochbeete Schnecken das Leben schwer machen

Bereits eine Beetkante von 20 bis 30 Zentimetern erschwert Schnecken den Zugang zu ihren Lieblingspflanzen. Hochbeete bieten daher einen zusätzlichen Schutz.

Ideal ist ein Standort mit möglichst großem Abstand zu typischen Rückzugsorten wie Komposthaufen, dichtem Bewuchs oder feuchten Mauern.

Da insbesondere die Spanische Wegschnecke ausgezeichnet klettern kann, sollten Hochbeete möglichst glatte Außenflächen aus Metall oder Kunststoff besitzen. Überhängende Zweige, Schläuche oder Gartengeräte können dagegen als Brücken dienen, weshalb wir sie entfernen sollten.

Eine lockere Unterschicht aus trockenem Gehölz wirkt ebenfalls abschreckend, da Schnecken solche Bereiche nur ungern durchqueren.

Bei starkem Befallsdruck können zusätzliche Barrieren aus scharfkantigem Material oder elektrische Schneckenzäune sinnvoll sein.

Viele kleine Maßnahmen führen zum Erfolg

Schnecken lassen sich nicht vollständig aus unserem Garten verbannen, ihren Bestand können wir jedoch wirksam begrenzen. Den größten Erfolg verspricht die Kombination mehrerer Maßnahmen: ein schneckenunfreundliches Gartenumfeld, geeignete Barrieren, die Förderung natürlicher Fressfeinde, eine angepasste Bewässerung sowie regelmäßige Kontrollen und konsequentes Absammeln.

Wenn wir verschiedene Methoden miteinander kombinieren, schützen wir langfristig Gemüse, Kräuter und Zierpflanzen und kommen dabei ganz ohne Gift aus.

Beiträge

Über Ute Roggendorf

Ute Roggendorf_1200Ute Roggendorf freut sich, ihre beiden großen Leidenschaften, das Gärtnern und das Schreiben, beruflich kombinieren zu können.
In einer Einzelhandelsgärtnerei kümmert sie sich um das Wohl von Pflanzen und Kundschaft. In der Freizeit zieht sie auf dem eigenen Feldstück Gemüse für die heimische Küche.
Ebenso fasziniert ist sie vom Spiel mit Worten. Deshalb hat die Gartenbauingenieurin mit Gärtnerlehre auch den Journalismus zu ihrem Beruf gemacht. Seitdem war sie in verschiedenerlei Verlagen der gärtnerischen Fachpresse beschäftigt. Als Redakteurin weiß sie zudem, wie man eine Zeitung macht.
Inzwischen recherchiert, textet und fotografiert sie freischaffend auch für andere Auftraggeber.
Außerdem ist sie Onlineredakteurin und betreut die Textversionen eines E-Commerce-Unternehmens. Dabei achtet sie darauf, dass alle Angebote gut im Internet zu finden sind. Und sie kann dort ganz viel Hintergrundwissen aus dem Handel in die Ratgeber und Blogs einfließen lassen.

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